Seelische Erkrankungen und Behinderungen
Die Zahl der Menschen, die an seelischen Erkrankungen oder Behinderungen leiden, wächst stetig. Das Ergebnis einer Studie besagt, dass EU-weit jede dritte Frau und fast jeder fünfte Mann im Laufe des Lebens mindestens einmal eine psychische Erkrankung erleidet. Dies ist nicht allein darauf zurück zu führen, dass Menschen auf private und berufliche Belastungen zunehmend mit psychischen Krankheiten reagieren, sondern auch auf eine sensiblere Wahrnehmung von psychischen Krankheiten. Das gesellschaftliche Verständnis scheint generell gewachsen zu sein.
Leider gilt dieses Thema am Arbeitsplatz häufig noch als Tabu oder ist mit Unsicherheiten besetzt. Ungefähr 30 Prozent der Betroffenen glauben, dass weder Vorgesetzte noch Kollegen Verständnis aufbringen würden, wenn man wegen psychischer Erkrankung am Arbeitsplatz fehlen würde, zumal die heutige Leistungsverdichtung und die geringe Personaldecke dazu geführt haben, dass bei Ausfall eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin kein Ersatz da ist.
Dabei hat sich der Anteil der psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz seit Anfang der 90er Jahre schon verdoppelt. Man kann ohne weiteres bei der heutigen Arbeitsplatzsituation davon ausgehen, dass dieser Anteil der Erkrankungen gemessen an den gesamten Erkrankungen immer schneller zunehmen wird.
Am Arbeitsplatz zeigen sich die Auswirkungen der psychischen Erkrankung besonders deutlich im Umgang mit Kunden, Kollegen, Vorgesetzten, mit Druck, Stress und Herausforderung. Man reagiert mit Überforderung und daraus resultieren dann hohe Fehlzeiten. Hier wird es auch eine wichtige Aufgabe des betrieblichen Eingliederungsmanagements und der dort engagierten Beteiligten sein, angemessen zu reagieren, wenn die auffallenden Veränderungen wahrgenommen werden. Es bedarf aber auch einer Schulungen der Beteiligten, um diese Veränderungen entsprechend wahrzunehmen und werten zu können. Es kommt in diesen Fällen wesentlich darauf an, angemessen zu reagieren und die Betroffenen zu unterstützen.
Hilfen für diese Arbeit aber auch weitergehende Information bekommen sowohl Betroffene als auch die Funktionsträger in den Betrieben – insbesondere die Schwerbehindertenvertretungen – vom Integrationsamt des Landschaftsverbandes in Köln. Von hier kommt auch die Kernbotschaft an Arbeitgeber, Vorgesetzte, Kollegen und das betriebliche Integrationsteam, das aus vier Elementen besteht:
Schauen Sie hin und trauen Sie Ihrer Wahrnehmung • Handeln Sie, wenn es Ihnen nötig erscheint. • Besorgen Sie sich fachliche Unterstützung. • Überfordern Sie sich nicht selbst.
Es ist nicht Aufgabe von Vorgesetzten oder Kollegen, von Betriebs-/Personalräten oder Vertrauenspersonen, die Rolle des Psychiatrie-Experten zu übernehmen. Was man aber tun kann ist, Veränderungen im Verhalten am Arbeitsplatz wahrzunehmen und anzusprechen und dann professionelle Hilfe anzuregen.
Für diejenigen, die regelmäßig in ihrer betrieblichen Praxis mit den Problemen seelisch behinderter Menschen am Arbeitsplatz zu tun haben, bietet das Integrationsamt des LVR im Rahmen des jährlichen Kursangebotes entsprechende Seminare an. Darüber hinaus veröffentlicht der LVR zahlreiche Publikationen rund um das Thema Behinderung und Beruf, die dort kostenlose bezogen werden können.
Aktuelle Informationen finden Sie regelmäßig im Internet unter www.soziales.lvr.de.
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