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Arbeitsverweigerung erfordert Belege
Wenn ein Arbeitnehmer nicht mehr zur Arbeit kommt, weil er "gemobbt" wird, und diese "Rückbehaltung" seiner Arbeitsleistung vor Gericht als rechtmäßig anerkannt haben will, muss er die konkreten Tatsachen für die "Mobbing-Situation" benennen. Der Betroffene muss darlegen, auf Grund welcher Umstände er nicht mehr mit Vorgesetzten oder Mitarbeitern zusammenarbeiten kann oder welche Tätigkeiten ihm nicht zugewiesen werden dürfen.
BAG vom 23. Januar 2007 - 9 AZR 557/06
Mobbing und wie ich damit umgehe!
Meist fängt Mobbing relativ harmlos an. Die Kollegen hören auf zu reden, wenn man in den Aufenthaltsraum kommt oder sie behandeln einen so, als ob man gar nicht da wäre. Das geht oftmals so weit, dass man in der Gegenwart des Betroffenen schlecht über ihn redet.
Es wird viel über Mobbing geredet, häufig wird der Begriff gedankenlos verwendet. Ein Streit zwischen KollegInnen oder eine unverschämte Bemerkung des Vorgesetzten ist noch lange kein Mobing. Mobbing gegen eine Betroffene/einen Betroffenen liegt vor, wenn
- die Kommunikation zwischen ihr/ihm und den KollegInnen oder den Vorgesetzten konfliktbelastet ist, z.B. wenn einem die tägliche Begrüßung verweigert wird,
- man als angegriffene Person deutlich unterlegen ist, z.B. weil Absprachen, die einen betreffen, bewusst sabotiert werden,
- man von einem oder mehreren Kollegen systematisch und während eines längeren Zeitraums, d.h. über Monate, direkt oder auch indirekt angegriffen und sabotiert wird,
- das Ergebnis oder das Ziel der Angriffe die eigene Ausgrenzung ist, z.B. aus einem Team.
Um von Mobbing sprechen zu können, müssen alle 4 Merkmale vorliegen. Doch das muss einen nicht unausweichlich treffen. Mit dem folgenden 7-Punkte-Programm kann man Mobbing entschieden entgegen treten:
1. Spannungen sofort ansprechen
Stellt man fest, dass man nicht mehr gegrüßt wird oder ein/eine KollegIn gereizt oder feindselig auf einen reagiert, sollte man dies bei der nächsten Gelegenheit unter 4 Augen ansprechen. So gibt es die Chance, wieder einzulenken, ohne vor den anderen KollegInnen das Gesicht zu verlieren. Durch Nachfrage ist es oft möglich, Missverständnisse auszuräumen.
2. Mut haben, sich auch Negatives anzuhören
Wird unter den KollegInnen über einen geredet (z.B. weil man das letzte Verkaufsgespräch nicht richtig hinbekommen hat) dann braucht man sicherlich auch Mut, dies offen anzusprechen. Schweigt man dazu, bringt man sich schnell in die Rolle des Unterlegenen. Nur wenn man offen mit Misserfolgen umgeht, bietet man den KollegInnen keine Angriffsfläche - und kann dazu Verbesserungsvorschläge erhalten.
3. Unterstützung suchen, der man vertrauen kann
Stellt man fest, dass sich die Verdachtsmomente bestätigen, dass man gemobbt wird, braucht man sehr schnell Unterstützung. In diesem Fall sollte man sich unbedingt Verbündete suchen, dies kann eine befreundete Kollegin / ein befreundeter Kollege, der eigene Partner, der Betriebsrat oder eine professionelle Beratung sein. Auf keinen Fall sollte man versuchen, mit der Situation alleine fertig zu werden! Der Vorgesetzte / die Vorgesetzte ist ebenso ein wichtiger Ansprechpartner. Sollte das Mobbing jedoch vom Vorgesetzten ausgehen, bezieht man KollegInnen des Vertrauens hinzu, um deren Sichtweise zu hören. Erhärtet sich der Verdacht, bittet man die Leitung des Unternehmens um ein Gespräch.
4. Notizen
Fallen einem mehr Angriffe auf die eigene Person auf, sollte man sich unter den folgenden Gesichtspunkten Notizen machen: Wie - Wann - Wer - mit welchen Folgen für einen selbst? Mit diesen Notizen kann man Mobbing belegen, wenn es nötig werden sollte, man kann aber dadurch auch feststellen, dass man die Angriffe subjektiv überbewertet.
5. Den eigenen Anteil am Konflikt klären
Man sollte versuchen herauszufinden, ob man selbst zu einer Konflikt- oder Mobbingsituation beigetragen hat. Möglicherweise kann man im Gespräch mit anderen herausfinden, durch welche Verhaltensweisen oder Wesensmerkmale man sich selbst in die Opferrolle gebracht hat. Was könnte man daran selbst verändern?
6. Nach Ursachen forschen
Man sollte zu ergründen versuchen, warum die KollegInnen sich einem gegenüber so unkollegial verhalten oder gar Intrigen spinnen. Vielleicht hat man sie unbewusst bedroht z.B. indem man sich in die Arbeit des Kollegen / der Kollegin - in das Fachgebiet - hineindrängt. (Beispiel: Verkäufer haben ihre Gebiete aufgeteilt, man hat sich aber in das Gebiet eines Kollegen hinein begeben). Manchmal können Schikanen und Intrigen statt Angriff auch einfach Verteidigung bedeuten!
7. Rechtzeitig einen Schlussstrich ziehen
Hat man schon all das versucht, was bisher an Punkten aufgeführt wurde, ohne das Mobbing beenden zu können, sollte man einen Schlussstrich in Erwägung ziehen. Dies sollte man tun, bevor man physische oder psychische Schäden erleidet. Nicht immer mach es Sinn, Kraft und Energie in eine ausweglose Situation zu stecken. In diesem Fall sollte man versuchen, eine Arbeitsstelle oder eine andere Abteilung zu finden, in der man sich wohler fühlt und man Fähigkeiten und Talente einbringen kann, ohne daran gehindert zu werden. Mobbing ist ein ernstzunehmendes Problem, das einen sowohl beruflich als auch persönlich aus der Bahn werfen kann. Wenn man sofort reagiert und seine Grenzen deutlich aufzeigt, kann man sogar von einem solchen Konflikt profitieren und daran wachsen. Denken Sie immer daran, in jeder Krise steckt auch eine Chance!
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